Dominik in Peru

zurueck aus dem regenwald

geschrieben von dominik in Allgemein - 1 Aug, 2007

Ausflug in eine andere Welt

An einem der Tage im Dschungel beschlossen Amarath, mein Tour-Guide und ich, dass wir fischen gehen wollten. Dazu erkoren wir einen See aus, den Amarath vor vier Jahren das letzte Mal besucht hatte. Wir schnappten uns zwei Kanus, nahmen die zwei aelteren Jungs unseres Gastgebers in La Libertad mit und paddelten den Rio Tigre hinab.

Wie ein Traum lag hinter einer kleinen Muendung in den Fluss besagter wunderschoener See. Das Wasser war spiegelglatt und so zeigte sich meinen entzueckten Augen ein doppeltes Panorama des dichten Regenwaldes, welcher dieses Kleinod Mutter Naturs wie ein Bild einrahmte. Schweigend paddelten wir mitten hindurch um das versteckte Haus auf der gegenueberliegenden Seite zu erreichen.

Dort angekommen erwartete uns schon der Besitzer dieses Hauses, welcher gerade Wasser schoepfte. Skeptisch musterte er uns, schliesslich war dies das Land seines indigenen Stammes und wir hatten hier nichts verloren. Nachdem wir jedoch freundlich unsere Absichten klar gemacht haben, naemlich dass wir gerne eine Nacht bleiben wuerden um etwas zu fischen, hiess er uns willkommen.

In seinem Haus, gebaut in der traditionellen offenen Holzkonstruktion mit einem Dach aus Palmblaettern, warteten schon seine drei Toechter im Alter von vier bis acht Jahren. Aengstlich und neugierig zugleich musterten sie uns und verfolgten jeden unserer Schritte genau. Wir packten erstmal unsere Sachen aus, tranken etwas Wasser und verschnauften von der zwei-stuendigen Paddelei.

Rund ums Haus wuchsen Bananen, Yucca und verschiedenste Kraeuter. Eingerahmt wurde das Grundstueck von einer dichten gruenen Mauer aus Regenwald. Als ich etwas herumspazierte um die Stimmung dieses besonderen Ortes einzufangen und die dort wachsenden Pflanzen zu begutachten, kam auf einmal das mittlere der Indio-Maedchen angelaufen. Sie bemerkte welches Interesse ich ihren Pflanzungen widmete und begann mir lachend und kichernd diese zu erklaeren. Zwar verstand ich sie nicht, jedoch war ihr kindlich-herzliches Wesen derartig verzueckend, dass ich fleissig nickte und ihr kreuz und quer durch das Grundstueck folgte. Sie zeigte mir alle Stadien von Yucca Pflanzen, ganz klein bis fast zwei Meter gross. Verschiedenste Kraeuter und Heilpflanzen durfte ich verkosten und wurde immer wieder interessiert von dem kleinen Maedchen gemustert und angestrahlt.

Als schliesslich der Sonnenuntergang den Start fuer ein beeindruckendes Konzert des Dschungels bildete, zogen wir uns ins bzw. aufs Haus zurueck, um unser Abendessen zu waermen. Immer wieder verschwand der Besitzer des Hauses um seine Arbeiten des Tages zu beenden und wir amuesierten uns koestlich mit den inzwischen vollkommen aufgetauten und zutraulichen Maedchen. Diese erzaehlten die wunderbarsten Geschichten, identifizierten die verschiedensten Voegel welche gerade sangen, spielten fasziniert mit meiner Brille und umarmten Amarath und mich in regelmaessigen Abstaenden. Die mittlere bezeichnete mich voller kindlicher Ernsthaftigkeit irgendwann als ihren kleinen Bruder...

Waehrend wir unser Abendessen mit den Kindern teilten, veranstalteten die Tiere des Dschungels ein faszinierendes und wahrlich erstaunliches Konzert. Unbekannte, seltsame, lustige und verrueckte Vogelgesaenge vermischten sich zu einer Klangkulisse ungeahnten Ausmasses. Ein Zwitschern, Gluckern, verschiedenste Melodien und fremdartiges Gurren und seltsame Geraeusche fesselten meine Aufmerksamkeit ueber den gesamten Abend hinweg. Zusammen mit dem sternenklaren Himmel und dem hell strahlenden Vollmond direkt ueber dem See bildete sich eine mystische Atmosphaere aus, welche wie aus einer anderen Welt wirkte.

Als die Nacht vollkommen hereingebrochen war und der Vollmond die Umgebung fast taghell erleuchtete, schallten verschiedene Trommeln ueber den See zu uns herueber. Bald mischten sich Gesaenge hinzu und und Amarath und ich mutmassten, dass die indigene Gemeinschaft wohl ein Ayahuasca Ritual durchfuehren duerfte. Meine Phantasie zeichnete um ein Feuer tanzende Menschen, aufgehend in ihren Visionen und der in ihren Bann ziehende Musik auf meine geschlossene Augenlieder und im Geiste war ich mit ihnen und tanzte, sang und ging auf in dieser so andersartigen Welt in der diese Menschen hier leben.

Auch nachdem das Ritual scheinbar beendet war und die Musik geendet hatte, lag ich noch lange wach und begab mich auf geistige Wanderschaft zu den mir wichtigen Menschen und all jenen positiven Seelen welche mich bisher inspiriert haben ....

Dies war nur eines der vielen wunderbaren Erlebnisse welche ich auf meinem Dschungel-Trip hatte. Es waren anstrengende und harte neun Tage, mit viel input, sowohl auf persoenlicher wie auch auf fachlicher Ebene. Ich fuehrte viele Diskussionen mit Amarath ueber ein Vorzeigeprojekt im Dschungel, in Form eines komplett nachhaltigen Dorfes, mit Heilpflanzen, EcoSan, Solaranlagen etc etc. Viele der Menschen entlang der Fluesse des Regenwaldes leben in Subsistenzwirtschaft und mit etwas mehr Wissen koennte mensch ihre Situation leicht verbessern. Die meisten wissen nichtmal was von Kompostierung und Duengung, geschweige den von Kreislauffuehrung der Naehrstoffe, integrierte Anbauweisen usw usf.

Jedenfalls hat mich diese Zeit sehr inspiriert, hoch-interessante Moeglichkeiten fuer eine berufliche Laufbahn aufgezeigt sowie an einigen Stellen etwas in Gang gesetzt .... aber dazu mehr persoenlich, dieser Text ist ja eh schon viel zu lang. achja, habe ein paar fotos hochgeladen, damit ihr euch mehr dazu vorstellen koennt - auf galerie und dann links auf anzeigen gehen zum anschauen ...

Ganz liebe Gruesse hinaus in die Welt.


  1. Bettina

    02 Aug 2007, 13:30

    Lieber Do,
    Du wirst Deine Reise(n) nie vergessen,
    bedanke Dich beim Schöpfer und allen Wesen, die Du dabei triffst.
    Da alles eins ist, bist Du eben ein großer Bruder für ein kleines Mädchen auf der anderen Seite der Weltkugel, so wie Du hier der große Bruder für Antonia bist.
    Auch wir haben hier einige Reisen zu Dir unternommen und manches gesehen und vieles gespürt.
    Ich werde mich Anfang der Woche noch einmal mit A. treffen und ihr für Dich etwas mitgeben.
    Ich umarme Dich, mein Großer und bin so froh für Dich und diese großartige Chance einen Blick in eine wunderschöne völlig andere Welt zu tun.

  2. 02 Aug 2007, 18:23

    Hallo lieber Dominik,
    es ist sehr wohltuend, Deinen Bericht zu lesen.
    Danke, dass Du uns teilhaben laesst an Deinen
    wunder-vollen Erlebnissen.
    Uebrigens, meine Kids stehen ab Schulbeginn
    an einigen Schulen in Klbg.
    Herzliche Gruesse und sei weiterhin gut behuetet
    und geschuetzt.
    Darpan ;-)

  3. schorge

    03 Aug 2007, 18:17

    Lieber do

    wunderbare tage für dich . hat mich sehr beeindruckt, habe oft an dich gedacht.

    liebe grüsse aus klagenfurt ,

    georg u gabi

  4. Eva

    05 Aug 2007, 09:54

    hey dominik,
    man kann die harmonie aus deinen zeilen spueren, wirklich schoen was du gerade alles erlebst!!
    ich habe auch viele tolle erfahrungen mit den kindern hier, sie sind unglaublich offen und interessiert und erleichtern mir in diese voellig neue, andere welt besser einzutauchen.
    es st nicht immer einfach, die kultur und das leben hier hat viele fuer mich ungewoehnliche und oft unverstaendliche regeln, aber die freundlichkeit und waerme der menschen erleichtert es mir total. ich lebe bei einer tollen familie, sie sind so offen und ich lerne stueck fuer stueck ein bisschen arabisch...
    gestern nacht konnte ich das erse mal nicht schlafen. 5m von meinem haus hat die israelische armee ein haus beschossen, sie kommen seit mehreren naechten nach deheisehe und beschiessen haeuser. man muss uebrigens keine beweise haben um ganze haeueser niederzureissen und menschen zu inhaftieren. sie machen das immer in der nacht, stuermen die haeuser,..... ufff. alles sehr kompliziert hier... freu mich dir im herbst mehr zu erzaehlen...
    alles liebe soweit mal und noch eine schoene reise!!
    pass af dich auf, Eva

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